Katholische Jugend

Es war als kurze Pilgerfahrt angekündigt, wurde dann aber doch ein „richtiger“ Papstbesuch. Zwei Stunden lang nahm sich Papst Benedikt XVI. am Dienstag Zeit, um das Geburtshaus des Heiligen Josef Freinademetz zu besuchen, in der Kirche des Pilgerzentrums zu beten – und vor allem, um die vielen Menschen am Wegesrand seiner Wallfahrt zu begrüßen.

 

Auch das Wummern eines Hubschraubers kann wie eine Kirchenglocke wirken.

Es wird leise auf den abgemähten Wiesen und am abgesperrten Wegesrand rund um das Freinademetz-Geburtshaus, als kurz nach 17 Uhr ein moosgrüner Hubschrauber des Heeres am Peitlerkofel entlang über das Tal gleitet, über St. Leonhard eine sanfte Runde dreht und dann zum Weiler heraufsteigt.

Die rund 4000 Pilger blicken gespannt auf das Himmelsgeschenk, das ihnen entgegen schwebt: Auf einem Platz oberhalb der Heiligen-Gedenkstätte landet Papst Benedikt XVI.

 

Die Musikkapelle spielt auf, Kinder überreichen Blumen, dann schreiten das Oberhaupt der Weltkirche, sein Bruder Georg, Privatsekretär Georg Gänswein und Bischof Wilhelm Egger hinunter zum Freinademetz-Geburtshaus.

 

Und wieder geht Papst Benedikt spontan und freundlich auf die Menschen zu, er lächelt, grüßt, segnet. Eine gute halbe Stunde lang nimmt er sich Zeit für die wenigen hundert Meter bis zum Eingang des Hauses, mit sichtlicher Freude über die Nähe zu den Menschen.

 

An der Eingangstür zum Freinademetz-Haus wird er von einer Vertretung der Steyler Missionare begrüßt, P. Peter Irsara – seit zehn Jahren geistlicher Betreuer der Pilgerstätte – führt Papst Benedikt durch die Räume.

 

Eine halbe Stunde später greifen die Musikanten wieder zu den Instrumenten, und während der hohe Besucher die Stiege in Richtung Pilgerzentrum heruntersteigt, erklingt Musik. Kurz darauf mischen sich „Papa, papa“-Rufe, Jubel und helles Klatschen dazu.

Winkend und grüßend schreitet der Heilige Vater in die Kirche. Die Sänger der fünf Chöre von Abtei unter der Leitung von Cristina Pitscheider stimmen das ladinische Freinademetz-Lied an, das viele Gläubige begeistert mitsingen. Dann kniet Papst Benedikt kurz auf einer Betbank nieder, um dem Kirchenpatron Freinademetz die Ehre zu erweisen.

 

„Wir danken Ihnen, Heiliger Vater, dass Sie sich Zeit nehmen, um diesen Ort zu besuchen, der unserer Bevölkerung so sehr am Herzen liegt“, sagt der Steyler Missionar Giancarlo Girardi in der kurzen Begrüßung.

 

Girardi vertritt den Generaloberen und war übrigens Postulator im Prozess für die Heiligsprechung des Gadertaler Chinamissionars. Der Ort berge den Geist des christlichen Glaubens, „den wir alle atmen“, führt P. Girardi aus. Als Zeichen des Dankes überreicht dann P. Irsara eine Marienstatue.

 

Schließlich tritt Papst Benedikt ans Mikrophon, um sich für den überaus freundlichen Empfang an der Pilgerstätte zu bedanken. Der Heilige aus Oies sei „sehr aktuell“, unterstreicht Papst Benedikt mit Hinweis auf das rasant wachsende China.

Der Tiroler Freinademetz wollte im Himmel ein Chinese sein, und so zeige er, dass sich alle Kulturen für das Evangelium öffnen können. „Nur Christus kann alle Völker einen“, ruft der Papst den Gläubigen in Erinnerung.

 

In ladinischer Sprache spricht der dann das Tagesgebet vom Gedenktag des Gadertaler Heiligen, nach einem Vaterunser erteilt er den päpstlichen Segen. Mit einem herzlichen „Danke, und der Herr segne euch immer“ beschließt der päpstliche Pilger die kurze Besinnung im Pilgerzentrum.

 

Nach einigen persönlichen Begegnungen verlässt Papst Benedikt die Kirche, draußen wartet die Limousine, die ihn wieder zum Hubschrauber zurückfährt. Zurück bleibt ein Eintrag im Pilgerbuch, den Wallfahrer wohl noch in Jahrhunderten bestaunen werden: Papst Benedikt XVI.